Alles wie geplant !

Alles wie geplant!

Als im November ein russisches Flugzeug einen drei Kilometer schmalen türkischen Landstreifen für wenige Sekunden überflogen hatte und dadurch von der türkischen Luftwaffe abgeschossen wurde, gab die Bildzeitung sofort folgendes bekannt:„Putin attackiert Türkei“.

Dies war ein weiterer Tiefpunkt in der deutschen Berichterstattung, in der dem Leser Kriegspropaganda in einer immer unschöner werdenden Mischung mit der Arbeit von guten Journalisten als Nachricht präsentiert wird.

Das Feindbild wechselt, die Methoden bleiben aber immer dieselben. Zuerst waren es die Kommunisten, dann der Islam und der inszenierte Krieg gegen den Terror, und heute sollen wir wieder vor Russland Angst haben.

Der Punkt ist, dass Kriege nicht von Politikern entschieden werden. Sie werden heute gemacht, um Waffen liefern und Wiederaufbau leisten zu können. Seit mehr als 15 Jahren hat der Westen – hauptsächlich die USA, Deutschland, Frankreich, England und Schweden – Millionen von Tonnen an Waffen und Kriegsgerät nach Mittelost geliefert oder sie mehr oder weniger zufällig in den Krisengebieten zurückgelassen. Wer heute ein „Freiheitskämpfer“ ist, wird morgen „Terrorist“ genannt – und umgekehrt –, weil so dann auch Geschäfte mit seinen Gegnern aufgebaut werden können.

Deswegen haben wir heute die total absurde Lage, dass z.B. in Syrien westliche Waffen benutzt werden, um vom Westen produziertes Material zu zerstören. Unser einziger richtiger, stabiler „Freund“ in Mittelost ist Saudi-Arabien – ein despotisches und diktatorisches Regime, welches jedes Jahr mehr Menschen köpft, als der IS seit seinem Bestehen. Saudi-Arabien hat klare Interessen am Zusammenbruch von Syrien und dem Iran, und zwar im Hinblick auf Erdöl und Religionsstreitigkeiten.

Die Kriegskräfte in Washington und rund um das Pentagon sind seit der Öl-für-Dollar-Vereinbarung von 1973 eng mit Saudi-Arabien und der saudischen Königsfamilie befreundet – mit dieser Vereinbarung haben sich diese beiden Gruppen ja auch gegenseitig ihre Vermögensgrundlage gesichert.Schon vor 20 Jahren haben diese Kriegskräfte sich entschieden, den Mittleren Osten zu erobern. Das dadurch in Europa entstehende Chaos soll den USA dazu dienen, ihre weltweite Führungsrolle auf die kommenden Jahrzehnte auszudehnen.

Diese Denkweise gehört zu den ultrakonservativen Kreisen, die von der Waffenindustrie unterstützt werden und die sich in den USA seit dem Ende der 80er-Jahre sehr entscheidend positioniert haben. Der ehemalige NATO-General Wesley Clark hat ja schon 2007 offengelegt, wie er im Oktober 2001 mit den aktuellen Invasionsplänen der USA bekanntgemacht wurde:„Wir wollten sieben Länder in fünf Jahren überfallen und deren Regierungen stürzen. Wir wollten mit dem Irak beginnen, und dann nach Syrien, Libanon, in den Sudan, Libyen, Somalia und in den Iran“, offenbarte Wesley Clark 2007 auf einer Veranstaltung des US-amerikanischen Think-Tanks Commonwealth Club of California.

Es geht nicht um Putin, der die Türkei „angreift“. Es geht nicht um einen Diktator in Syrien oder irgendwelche Extremisten in Mali. Es geht darum, einen Plan durchzuführen.Dafür braucht man die öffentliche Meinung, und damit sind wir zurück bei dem „Putin attackiert Türkei“ der Bildzeitung.Wir von Free21 möchten gerne diese einseitige Berichterstattung attackieren und befassen uns in dieser Ausgabe ausführlich mit dem Komplex Syrien und Flüchtlinge. Ausführlich genug kann es nie sein – wir machen aber mit jedem unserer Artikel Druck.
Power to the paper!
Tommy Hansen,
Chefredakteur
www.free21.org