Hanf (als Nutzpflanze)

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wer nicht den ganzen Text lesen möchte der sollte zumindest PUNKT 5 (Fazit) lesen !!!
 
wieso wird so eine Pflanze fast Weltweit verboten ? wenn sie doch so viele gute Eigenschaften hat (sie kann mehr als High machen). 
 
Falls es euch Interessiert schaut mal rein und schreibt mir einen Kommentar ob es euch gefällt oder eure Meinung zu diesem Thema, würde mich sehr freuen !

 

Copyright : aTuM.meida - Autor : WT

 

Gliederung

 
1 Einleitung 
2 Der Weg zur Prohibition 
3 Das Cannabisverbot 
4 Heutige Situation und Alternativen 
5 Fazit 
6 Literaturverzeichnis
 

1 Einleitung

Weed, Gras, Haschisch, Marihuana/Marijuana, Pollum, Honey Oil, Mary-Jane, Visa, Dope, Piece, Afghane und Ganja sind einige der geläufigen Bezeichnungen für ein und das Selbe Produkt. Nämlich der THC-haltigen Blüten und deren Harz aus der weiblichen Cannabis sativa/indica Pflanze. Zwar enthalten auch die Blätter einen gewissen THC-Anteil, doch ist dieser um ein vielfaches geringer, als in den Blüten und soll hier außen vor gelassen werden. Im deutschen ist Cannabis besser bekannt als die Nutzpflanze Hanf. Diese Pflanze kommt in fast jeder Klimazone und bis auf die Antarktis auf jedem Kontinent vor. Bis in das 20. Jahrhundert war Hanf eine der wichtigsten Nutzpflanzen der Menschheitsgeschichte und war maßgeblich am Aufstieg der Menschheit beteiligt. Die Nutzung von Hanf kann auf mindestens zehn Jahrtausende zurückverfolgt werden und stammt vermutlich aus Zentralasien. Hanf kann für unzählige Dinge genutzt werden, wovon die wichtigsten genannt werden sollten. Aus Hanffasern werden Seile, Segel, Takelagen, Kleidung, Textilien, Papier und Fischernetze hergestellt. Die Samen waren ein Hauptnahrungsmittel für Vögel und Menschen. Die Samen verarbeitet man hauptsächlich zu Hanfmehl und Hanföl, dem reichhaltigsten aller Speiseöle. Hanfsamen enthalten alle für den Menschen benötigten Aminosäuren und die wichtigsten Fettsäuren. Zudem kann man aus Hanf noch Farben, Schmiermittel, Lacke und Lampenöl herstellen.1 Umso erstaunlicher ist es, dass diese Pflanze quasi weltweit verboten werden konnte. Wie dies geschah konnte und was die Ursachen dafür sind, soll diese Arbeit beantworten.

 

1 Vgl. Buxton 2006, 200f.

 

Die Vereinigten Staaten von Amerika waren maßgeblich am weltweiten Verbot von Cannabis beteiligt. Deswegen soll besonders die Verbotspolitik in diesem Land dargestellt werden, um aufzuzeigen wie erbittert gegen diese Pflanze vorgegangen wurde. Weiterhin soll erkennbar werden, wie es gelang die Verbotspolitik auf die internationale Ebene zu führen und das Cannabis nahezu weltweit zu verbieten. Der abschließende Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der aktuellen Drogensituation vor allem in den USA und Europa und mit möglichen Alternativen auf dem Gebiet der Cannabisdiskussion. Eine nähere Behandlung der medizinischen Aspekte und der Konsumenten von Cannabis soll in dieser Arbeit nicht erfolgen, da allein diese Aspekte genügend Material für eigenständige Arbeiten bieten würden.

 

2 Der Weg zur Prohibition

 

Cannabis ist die wohl umstrittenste aller Drogen. Als Droge wird Cannabis bezeichnet, weil die Blüten und das Harz der weiblichen Pflanzen die psychoaktive Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten. Die seit etwa 100 Jahren währende internationale Diskussion über Cannabis wurde durch die Jahrzehnte nicht immer gleich heftig geführt, doch ist diese Diskussion nie verstummt. Bis in die 1960er Jahre fand diese Diskussion hauptsächlich in den USA statt, bis sie ihren Weg in die internationale Staatengemeinschaft mit Hilfe der UN gefunden hatte.2 Die heilsame Wirkung des Cannabis kam schon mit den Kreuzzügen nach Europa. Doch das medizinische Interesse in Europa kam erst im 19. Jahrhundert auf. Es wurde bei Depressionen, Asthma, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit verabreicht. Zudem galt es als Ersatzmittel für Opium, da es im Vergleich zum Opium keine Nebenwirkungen zeigte. In England galt es als Allheilmittel, da es angeblich selbst Pest und Cholera kurieren konnte. Das einzige Problem in dieser Zeit war die Dosierung des Wirkstoffs, denn bei verschiedenen Pflanzen können die THC-Gehalte schwanken. Und bei Überdosierung von THC treten nicht nur die medizinisch gewünschten Reaktionen auf. Es tritt auch die psychoaktive Wirkung des THC auf. Aus diesem Grund wurden auch psychische Krankheiten mit Cannabis behandelt. Auch in den USA wurde Cannabis in diesen Hinsichten verwendet.

 

2 Vgl. Burian 1982, 9.

3 Vgl. Springer 1982, 34f.

4 Vgl. Fortenbery & Bennet 2004, 98.

5 Vgl. Herndon 1963, 88f.

 

Die Verwendung von Hanf in den USA reicht bis in die frühe Kolonialzeit zurück. Die Puritaner brachten die Pflanze 1645 auf den nordamerikanischen Kontinent. Von dort aus kam es nach Virginia, Pennsylvania und 1775 schließlich nach Kentucky, wo es besonders gut wuchs. Sowohl George Washington als auch Thomas Jefferson bauten Hanf auf ihren Plantagen an. So wurde die von Jefferson verfasste Unabhängigkeitserklärung in ihren ersten beiden Ausführungen auf Hanfpapier geschrieben. Zu bemerken ist auch, dass die amerikanischen Soldaten während des Unabhängigkeitskrieges Kleidung aus Hanffasern trugen, die erste Flagge der USA aus Hanf genäht wurde und die erste Jeans von Levi Garret ebenfalls aus Hanf gemacht war. Die Ernte und das Dreschen des Hanfs war jedoch eine schwere körperliche Arbeit. Während der Revolution entstanden besonders in Kentucky viele hanfverarbeitende Betriebe (mehr als 160 an der Zahl), da die Nachfrage der neu entstandenen Marine stark zunahm. Dadurch mussten immer größere Mengen dieser Pflanze verarbeitet werden. Und so entwickelte niemand geringerer als Thomas Jefferson 1815 eine Vorrichtung, welche eine Vorverarbeitung des Rohstoffs beschleunigte. Nun konnten vier Personen 400 Pfund Hanf pro Tag schlagen und dreschen. Eine weitere Entwicklung Jeffersons ermöglichte die Selbe Arbeit mit einem Pferd, welches die Arbeit von zehn Männern ersetzte, zu vollbringen.5 Zum Ende des 19. Jahrhunderts ging die Nachfrage an Hanf jedoch zurück, was mit verschiedenen Faktoren zusammenhing. Gründe waren die zunehmend günstiger werdende Baumwollproduktion in den Südstaaten und die rasante Entwicklung der Dampf- und Dieselschifffahrt, welche die aus Hanf produzierten Segeltücher obsolet machte. Zudem wurden die Schiffstaue nicht mehr aus Hanf, sondern aus Abacá (Manilahanf) gefertigt. Diese Fasern aus Bananenpflanzen waren zum einen leichter als Hanffasern und zum anderen resistenter gegen das korrosive Salzwasser. Doch behielt Hanf noch viele andere Nutzmöglichkeiten.6 So schrieb auch GEORGE M. SPEARS in seinem 1921 veröffentlichten

Gedicht „Kentucky Hemp Fields" vom Niedergang des Hanfanbaus in Kentucky.7

 

6 Vgl. Fortenbery & Bennet 2004, 98.

7 Vgl. Spears 1921, 115.

8 Vgl. King 1953, 736ff.

 

Cannabis wurde im Jahre 1914 zum ersten Mal Gegenstand der staatlichen Kontrolle. Im Harrison Act sollten Import, Verkauf und Abgabe von Drogen geregelt werden. Hauptsächlich war dieses Gesetz gegen Opium und seine Derivate gerichtet, doch waren unter anderem auch Cannabis, Alkohol und Chloroform Gegenstand dieses Gesetzes. Das Gesetz sollte den Drogenverkehr unter staatliche Kontrolle stellen, da Ärzte bis zu diesem Zeitpunkt keine Bücher über verschriebene und verabreichte Medikamente (welche meist die heutigen Drogen waren) führten. Das Gesetz trat 1918 in Kraft und reglementierte die Abgabe der erwähnten Substanzen. Bis dahin konnten Suchtkranke ihre Substanzen beim Arzt abholen oder sie sich dort verabreichen lassen. Seit dem Gesetz war dies nicht mehr möglich, da Süchtige nicht als Kranke galten und somit keinen Anspruch mehr auf die notwendige Behandlung hatten. Dadurch wurden diese Menschen zum ersten Mal in der Geschichte kriminalisiert und mussten sich das Benötigte auf anderen, meist illegalen Wegen besorgen. Auch Ärzte wurden als Kriminelle behandelt, wenn sie den Suchtkranken die nun unter staatlicher Kontrolle stehenden Substanzen verabreichten. Eigentlich wollte der Kongress mit dem Harrison Act nur dem illegalen Handel Einhalt gebieten. Zudem sollten Personen ohne ärztliche Zulassung nicht mehr mit diesen Substanzen hantieren dürfen. Doch aufgrund der Öffentlichkeit gerieten alle Anwender dieser Substanzen in Verruf, da übertriebene und gar fantastische Schätzungen von einer Million Betroffenen die Runde machten. Viele von ihnen sollen Jugendliche unter 20 Jahren gewesen sein, weswegen die Bürger es mit der Angst bekamen. Die Drogenabteilung des Finanzministeriums kam zu Hilfe und nahm sich des Problems an. Die Gefängnisse begannen sich nicht nur mit illegalen Schmugglern und Händlern, sondern auch mit Abhängigen zu füllen. Auch Ärzte wurden eingesperrt, wenn sie den Abhängigen geholfen hatten. Somit wurde eine große Menge an Menschen kriminalisiert und nicht nur die illegalen Schmuggler und Händler, wie es von Kongress eigentlich vorgesehen war. Propaganda wurde zu einem wichtigen Instrument, um die harten Gesetze zu rechtfertigen. So stellte man dar, dass Abhängige nur durch Isolation von der Gesellschaft geheilt werden könnten. Die Verhaftungen stiegen an und mit ihnen erhöhten sich die Strafen für alle, die mit Drogen zu tun hatten. Jeglicher Widerspruch wurde als Angriff auf das Fundament der amerikanischen Gesellschaft angesehen.

Bis zum Verbot von Cannabis war es noch ein weiter Weg. Um diesen nicht zu lang zu gestalten, wurde ein wahrer Kreuzzug gegen diese vielseitig nutzbare Pflanze gestartet. Propaganda wurde zum wichtigsten Mittel und die Wissenschaft wurde nahezu komplett außen vor gelassen. Ein weiterer wichtiger Teil der Kampagne wurde der Rassismus. Besonders im Südwesten der USA kamen viele Immigranten aus Mexiko und brachten Cannabis als Droge mit. Sie nannten es Marijuana. Und so wurde Marijuana (im englischen Marihuana) zu einer neuen Droge erklärt, derer Existenz sich die meisten Amerikanern gar nicht bewusst waren. Das wenige was sie wussten, bekamen sie aus Hetzkampagnen in der Presse mit, welche Marihuana zu der schlimmsten bekannten Droge stilisierte.9 Neben den Mexikanern wurde auch die schwarze Bevölkerung mit dieser neuen Droge in Verbindung gebracht. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden fast alle Einwanderer für die Missstände im Land verantwortlich gemacht. Da nun nicht mehr weiße Protestanten in das Land kamen, wuchs der Rassismus im Land und die Neuankömmlinge waren selten willkommen. Doch gerade diese Menschen bauten das Land auf und nahmen jede auch noch so unterbezahlte Arbeit an. Den Einwanderern wurde die Schuld an den wachsenden Slums, den sinkenden Löhnen und den schlechter werdenden Arbeitsbedingungen gegeben. Besonders die Mexikaner waren den Amerikanern fremd. Sie hatten andere Sitten, verhielten sich anders, aßen für die Amerikaner fremde Dinge und sprachen eine fremde Sprache. Je mehr von ihnen in das Land kamen, desto negativer wurde die Stimmung gegen sie. Die Tatsache, dass sie Katholiken waren, machte es für sie noch schwieriger. Für das protestantisch geprägte Amerika stand der Katholizismus für Aberglaube und Ignoranz. Im Südwesten des Landes waren sie das, was die Schwarzen im Süden und Osten gewesen sind. Der Stereotyp eines Mexikaners war ein ungebildeter, nahezu wilder Dieb von ausgeprägtem Temperament, schnell reizbar und doch faul und verantwortungslos. Mit der mexikanischen Revolution von 1910 unter Pancho Villa und deren Ausweitung bis New Mexico im Jahre 1916 sank ihr Ansehen noch weiter. Als die US-Wirtschaft in den 30er Jahren am Boden lag, wurden die Rufe laut alle Mexikaner aus dem Land zu jagen. Marihuana wurde zum Vorwand diese Bevölkerungsgruppe zu

belästigen.

 

9 Vgl. Auerhahn 1999, 432.

10 Vgl. Abel 1980, 200f.

 

Ebenfalls zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg New Orleans zur Metropole des Südens auf. Der Hafen der Stadt wuchs und mit ihm kamen viele Matrosen, Händler, Spieler, Prostituierte, Diebe und Gangster jeglicher Nationalität in die Stadt. Der Rotlichtbezirk Storyville wurde zum bekanntesten im ganzen Land. In den zahlreichen Bordellen entstand eine neue Musikrichtung, welche ausschließlich von schwarzen Musikern gespielt wurde. Es war der Jazz. Der Konsum von Cannabis wurde zu einem wichtigen Bestandteil der Jazz Ära, da er im Gegensatz zum Alkohol das kreative im Menschen hervorhebt und die Musik somit einfallsreich und einzigartig macht. Natürlich rauchten nicht nur die Musiker das als Moota bezeichnete Cannabis. Es war im gesamten Rotlichtbezirk bekannt und brachte die Sittenwächter der Stadt auf die Barrikaden. 1920 erfuhr der Präsident der Gesundheitsbehörde von Louisiana, dass ein Musiker die Unterschrift eines Arztes fälschte, um an Cannabis zu kommen. Er warnte den Gouverneur des Staates vor dieser potenten Droge, welche Heiterkeit, Vergiftungen, Halluzinationen, Benommenheit und Rauschzustände auslösen sollte und forderte gegen diese gefährliche Droge vorzugehen. Auch der Direktor des öffentlichen Gesundheitsdienstes (surgeon general) wurde gewarnt und stimmte mit den Ausführungen überein, dass Cannabis unter nationale Kontrolle gestellt werden sollte. Doch nichts geschah, weil die Behörden mit dem Verbot von Opium und Morphium schon genug zu tun gehabt hatten. Auch eine Geschichte von zwei Männern, welche durch Cannabiskonsum angeblich gestorben waren, brachte keine Bewegung in dieses Bestreben. Zu dieser Zeit begannen die Printmedien Horrorgeschichten über Cannabis zu veröffentlichen und stellten besonders Kinder und Jugendliche als Opfer dieser teuflischen Droge dar. So stellte ein Interview unter 60 Jugendlichen (alle unter 15 Jahren) fest, dass sie alle wussten, was Cannabis sei und wo man es erwerben könne. Natürlich wurde nicht erwähnt, dass sie allesamt Mexikaner oder Schwarze gewesen sind und Cannabis nichts neues oder ungewöhnliches für sie war. Daraufhin folgten Durchsuchungen in Saloons und Lokalen, was mit der Verhaftung von etwa 150

Menschen endete, von denen fast alle der ärmsten Schicht angehörten.

 

11 Vgl. Abel 1980, 214f.

12 Vgl. Ebd., 216ff.

 

Für einige Jahre wurde es ruhig um das Cannabisproblem. Doch mit der großen Depression kam das Interesse im Südwesten des Landes wieder auf. Nun wurde Cannabiskonsum für Diebstähle, Morde und Vergewaltigungen verantwortlich gemacht und von der Presse bereitwillig aufgegriffen. Solche Aussagen wurden natürlich nicht kritisch hinterfragt und ein erneuter Aufschrei nach einem Verbot ging durch New Orleans. Die Hauptschwierigkeit für ein Verbot sah man darin, dass die meisten Schwarzen die Wirkung von Cannabis kannten und diese nicht mit der Propaganda übereinstimmte. Der führende Demagoge gegen Cannabis Dr. Fossier behauptete, dass Rassen und Nationen, welche Cannabis und Opium konsumierten, früher zwar eine gewisse Kultur und Zivilisation erlangt hatten, nun jedoch sowohl geistig als auch körperlich degeneriert waren. Im Gegensatz dazu wäre die herrschende Rasse alkoholisiert und deswegen so weit gekommen. Welche Rassen er genau meinte, hat er nie gesagt. Doch können es kaum Mexikaner gewesen sein, da 1930 nicht einmal 1000 Mexikaner in New Orleans lebten. Man kann getrost annehmen, dass seine Aussagen gegen die schwarze Bevölkerung gerichtet waren, obwohl 75% der Verhaftungen wegen Cannabishandels und -besitzes auf das Konto der weißen Bürger gingen. Die Bewohner Louisianas standen dieser Diskussion ziemlich gleichgültig gegenüber, doch wurde diese Diskussion zu einem nationalen Thema. Als nächste Stadt beteiligte sich New York an der Cannabisdiskussion. Auch hier stand besonders die schwarze Bevölkerung Haarlems im Mittelpunkt. Noch 1914 wurde berichtet, dass die Anzahl der Cannabiskonsumenten in der Stadt zu gering war, um diese zählen zu können. Doch bereits 1923 wurde proklamiert, dass Cannabis die am häufigsten verbreitete Droge in New York war. Cannabis war in drei Sorten aufgeteilt.

Die Schwächste wurde in den USA direkt produziert. Eine stärkere Variante kam aus Mittel- und Südamerika, während die potenteste Form aus Afrika importiert wurde. Mit der Potenz stieg auch der Preis, sodass nur Konsumenten mit einem höheren

Einkommen sich afrikanisches Cannabis leisten konnten. Kaufen konnte man Cannabis in sogenannten tea pads, kleinen Wohnungen und Räumen welche über ganz Haarlem verteilt waren. Hier trafen sich die Konsumenten, um mit Fremden oder Freunden zu diskutieren oder einfach die Welt um sie herum zu vergessen. Bei dem ersten Anzeichen von aggressivem Verhalten wurde man meist unsanft hinaus befördert. Die tea pads waren gemütlich möbliert, nicht zu hell beleuchtet und hatten in der Regel ein Radio, einen Plattenspieler oder eine Jukebox zur Unterhaltung der Gäste. Der Geruch von Räucherstäbchen und Cannabis lag in der Luft und an den Wänden hingen meist schlüpfrige Bilder. Auch in Jazzclubs konnte man während der Auftritte Cannabis erwerben und konsumieren, was zu einer Verbundenheit der anwesenden Musiker und Zuhörer beitrug. Sowohl die bekanntesten als auch unbekannte Künstler traten hier auf. Die Weißen sahen sich bald durch den Cannabiskonsum der schwarzen Bevölkerung bedroht, was durch Hetzkampagnen in der Presse gefördert wurde. So behauptete die Presse, dass schwarze Männer Cannabis nutzten, um unschuldige weiße Frauen zu verführen oder sie gar zu vergewaltigen. Zudem sollte die Wirkung von Cannabis schlimmer sein, als die jeder anderen Droge und zu unkontrollierter, exzessiver Gewalt führen.13

13 Vgl. Abel 1980, 218ff.

Mal wieder wurde mit dem Schutz der Kinder und Jugendlichen argumentiert, um gegen Cannabis vorgehen zu können. So wurde behauptet, dass meist Mexikaner und Schwarze Schulkinder dazu gedrängt hätten Cannabis auszuprobieren. Nirgendwo war der Rummel um die Droge so laut wie in New Orleans und zwei Zeitungen sprachen von einer regelrechten Infiltration der Droge an den Schulen. Der Beauftragte für die öffentliche Sicherheit in New Orleans (Dr. Gomila) behauptete, dass die Händler Mexikaner, Italiener und Südamerikaner seien und die amerikanischen Schulkinder zum Drogenkonsum verleiten wollten. Schon bald wurden solche Geschichten von den restlichen Zeitungen aufgegriffen. So soll ein Mexikaner 1929 verhaftet worden sein, als er Cannabis an Jungen und Mädchen in der Schule verkaufte. Schnell wurden Forderungen laut diese tödliche Droge, welche von Mördern konsumiert wird, zu verbieten. Solche Berichte weiteten sich rasant aus. So wurde von weißen Kindern in Kansas berichtet, welche den Cannabiskonsum von den Schwarzen erlernt hatten, welche es ihnen verkauft hatten. In Gary, Indiana wurde behauptet, dass 25% der mexikanischen Bevölkerung Cannabis konsumierten und die meisten von ihnen durch den Handel mit dieser Droge ihren Lebensunterhalt verdienten. Auch aus Chicago kamen Meldungen über weiße Schüler, welche Cannabis rauchten. Auch hier kauften sie die Drogen natürlich hauptsächlich von Mexikanern. Die Selben Anschuldigungen kamen aus weiteren Teilen des Landes wie Colorado, Kalifornien und natürlich Louisiana. In jeder Meldung verkauften meist Mexikaner die Droge an Schulkinder. So soll in Detroit eine amerikanische (weiße) Frau ihre eigenen Kinder angewiesen haben die Droge an ihre Mitschüler zu verkaufen. Natürlich wurde auch sie von Mexikanern dazu angestiftet. Ein anonymer Verfasser aus St. Louis berichtete von den jugendlichen Opfern von Cannabis. Die Droge soll sie zum Weglaufen aus dem Elternhaus getrieben haben. Und als wäre diese Behauptung nicht genug gewesen, fügte er hinzu, dass viele der Jugendlichen sich von hohen Gebäuden in den Tod gestürzt haben sollen, nachdem sie Cannabis geraucht hatten. Andere sollen zu einer Vielzahl von Verbrechen getrieben worden sein und endeten schlussendlich am Galgen. In Richmond, Virginia soll ein Jugendlicher ausgesagt haben, dass er nach dem Genuss einer einzigen Cannabiszigarette für mehrere Tage high gewesen sein soll. So soll der Genuss von Cannabis auch in den meisten Fällen zu Geisteskrankheiten führen und Eltern wurden durch die Presse angewiesen auf ihre Kinder zu achten. Zudem soll Cannabis für den moralischen Verfall der Gesellschaft verantwortlich gewesen sein. Unschuldige Jugendliche trafen sich, um miteinander Musik zu hören. Nach dem Genuss von Cannabis sollen diese Jugendliche dann jegliche Hemmungen verloren haben, sich nackt ausgezogen haben und wahre Sexorgien gestartet haben. Auch Homosexualität wurde dem Cannabis zugeschrieben. Mädchen sollen sich in die Prostitution begeben haben und Jungen schlossen sich Gangs an, was als Ursache für die steigenden Mordraten von Jugendlichen ausschlaggeben gewesen sein soll. Obwohl diese Märchen veröffentlicht wurden, um die Jugend vom Cannabis fernzuhalten, hatten sie den gegenteiligen Effekt. Immer mehr Jugendliche begannen sich für diese mittlerweile attraktive und günstige Droge zu interessieren.14

 

14 Vgl. Abel 1980, 225ff.

 

3 Das Cannabisverbot

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand Cannabis nicht nur in den USA unter starkem Beschuss. Auch in Südafrika wuchs die Ablehnung gegen die Pflanze und auch hier war Rassismus der Hauptgrund dafür. Anders als in den USA stellten die Einheimischen einen Großteil der Bevölkerung und das Rauchen von Dagga war in ganz Afrika verbreitet. Die herrschende (weiße) Klasse fürchtete einen Aufstand der in bitterer Armut lebenden schwarzen Bevölkerung. Doch wurde hierfür nicht die Armut im Land, sondern Cannabis als Schuldiger ausfindig gemacht. 1923 setzte sich die südafrikanische Regierung für eine internationale Regulierung von Cannabis ein, da es die Arbeiter auf den Feldern angeblich faul machte und sie ihren Herren nicht mehr gehorchten. Gegen ein internationales Verbot setzte sich Großbritannien ein, da sie ihren großflächigen Cannabisanbau in Indien bedroht sahen. Die Diskussion wurde auf die 1925 stattfindende Zweite Opiumkonferenz in Genf verschoben. Durch geschickte Manöver Englands kam dieser Punkt jedoch nicht in die Agenda. So war es schließlich die ägyptische Delegation, welche das Cannabisproblem hervorbrachte. Denn auch in Ägypten wurde der Cannabiskonsum als großes gesellschaftliches Problem angesehen, da eine Vielzahl von Konsumenten angeblich an Geisteskrankheit leiden, obwohl der Konsum von Haschisch hier eine lange Tradition hatte. Schon in der Antike war Ägypten ein Hauptlieferant für Hanffasern und Stoffe. Auch die US-Delegation sprach

sich für eine internationale Kontrolle von Cannabis aus, aber nur weil die anderen Länder den amerikanischen Kampf gegen Opium so bereitwillig unterstützt hatten. Falls die USA in dieser Zeit ein Cannabisproblem hatte, so wusste es die US-Delegation nicht. Heftige Einwände kamen von der indischen Delegation. Sie erklärten der Konsum von Cannabis (in Indien Bhang genannt) habe eine lange soziale und religiöse Tradition im Land und dass es kaum möglich wäre eine Pflanze effektiv zu verbieten, die in fast jedem Teil der Erde wild vorkommt. Der englische Delegierte Sir Malcolm Delevingne erklärte, dass seine Delegation für eine solche Diskussion nicht bereit wäre und dass sie von ihrer Regierung keine Anweisungen hätten über Cannabis zu entscheiden. Sein französischer Kollege stimmte dem überein und forderte Zeit für eine Auseinandersetzung mit diesem Thema. Zudem sah er Probleme mit dem Verbot, da es in der französischen Kolonie Kongo unter den „Wilden" Brauch war Cannabis zu konsumieren. Somit wäre es heuchlerisch von ihm einer solchen Forderung nachzukommen. Ein weiterer Stolperstein für ein Verbot wurden die zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten des Hanfs als Faserlieferant, Nahrungsmittel und vieles mehr. Nach weiteren Abwägungen zu den zahlreichen Problemen eines möglichen Verbots einigte man sich auf ein Importverbot auf Cannabisharz mit Ausnahme der medizinischen und wissenschaftlichen Nutzung. Doch wurde diese Einigung nicht von allen Mitgliedern unterschrieben, was eine internationale Kontrolle unmöglich machte. Unter den Nationen, welche diese Vereinbarung nicht unterschrieben, gehörten Ägypten und die USA. Ausgerechnet die Länder welche für ein weltweites Verbot von Cannabis gewesen sind.15

 

15 Vgl. Abel 1980, 234ff.

 

Wenn man sich mit dem Cannabisverbot in den USA beschäftigt, kommt man um eine Person und eine Institution nicht herum. Diese Institution ist das am 12. August 1930 gegründete Federal Bureau of Narcotics (FBN). Es war eine unabhängige Behörde des US-Finanzministeriums. Zum Vorsitzenden des FBN wurde ein gewisser Harry J. Anslinger ernannt. In den Anfangsjahren der jungen Behörde sollte diese dafür sorgen, dass der Harrison Act umgesetzt wurde. Obwohl die Aufmerksamkeit auf das Cannabisproblem im Südwesten des Landes gerichtet war, schien dieses Problem für Anslinger zunächst vernachlässigbar, da die Konsumenten zum größten Teil Mexikaner gewesen sind. Die Behörde war so sehr mit dem Verkehr von Opium beschäftigt, sodass für ein paar Joint-rauchende Mexikaner weder Zeit noch Personal vorhanden war. Zudem gab es kein bundesweites Gesetz, welches Cannabis reglementierte, da der Harrison Act hauptsächlich gegen Drogen aus dem Ausland gerichtet war. Erst im Verlauf der Jahre änderte Anslinger drastisch seine Meinung. Er überzeugte den Kongress, dass die Zeit für drakonische Gesetzesmaßnahmen gegen Cannabis gekommen war. Anslinger war davon überzeugt, dass Drogen jeglicher Art und vor allem Cannabis eine Gefahr für das Land bedeuteten. Man hat ihm sogar vorgehalten, er alleine wäre für das angebliche Cannabisproblem im Land verantwortlich. Wenige Zeitgenossen zweifelten an seiner Aufrichtigkeit und Hingabe, als er sich gegen Drogen aussprach. Er glaubte zu wissen, was für das amerikanische Volk und besonders für das von ihm geführte FBN das

Beste sei. Schon bei seiner Ernennung von Vorsitzenden des FBN galt Anslinger als Hardliner was Drogen betraf.16

 

16 Vgl. Abel 1980, 237.

17 Vgl. Ebd., 238f.

18 Vgl. Buxton 2006, 205.

 

Schon bei der Alkoholprohibition waren die Gesetze seiner Meinung nach zu lasch. So waren der Verkauf, die Herstellung und der Transport von Alkohol illegal. Der Erwerb und somit auch der Konsum von Alkohol waren während der Prohibition jedoch nicht gegen das Gesetz. Hier stimmte Anslinger nicht mit dem Gesetz überein. Seiner Ansicht nach sollte jeder Käufer von Alkohol bestraft werden. Und zwar richtig. So wären für Ersttäter mindestens ein halbes Jahr Gefängnis und eine Strafe von $1.000 (das damalige Jahresdurchschnittseinkommen betrug 1930 etwa $1.370) angemessen. Wiederholungtäter sollten für zwei bis fünf Jahre hinter Gitter kommen und eine Strafe von bis zu $50.000 bezahlen. Hätte er damals das Sagen gehabt, wären wohl sehr viele Amerikaner im Gefängnis gelandet. Als Leiter des FBN sah er die einzige Möglichkeit die Drogengesetze umzusetzen in harten Strafen für die Delinquenten. Was er bei der Alkoholprohibition nicht erreichen konnte, wurde nun bei Kampf gegen die Drogen und besonders gegen Cannabis zur harten Realität. Er begründete seine Abneigung zu Drogen mit dem Tod eines Freundes, welcher angeblich wegen des Rauchens von Opium gestorben war. Mit dem Kriegseintritt der USA im 1. Weltkrieg ließ er sich nach Europa versetzen und landete als Attaché der amerikanischen Gesandtschaft in Holland. Er blieb bis 1926 im Ausland als Konsul in Hamburg, Venezuela und den Bahamas. In dieser Zeit wurde auch das US-Finanzministerium erstmals auf ihn aufmerksam. Er kam zur Prohibitionsbehörde und wurde 1929 Assistent ihres Leiters. Seine Karriere bekam Aufwind, als viele leitende Beamte der Behörde ihre Posten verloren, weil sie auf Befehl ihres Leiters hin die Verhaftungszahlen gefälscht hatten. Viele Agenten hatten sich auf Geschäfte mit den Drogenhändlern eingelassen und mussten dies durch stattliche Verhaftungszahlen tarnen. Die Aufsicht über Drogen wurde im Rahmen dieses Vorfalls der Prohibitionsbehörde entzogen und der eigens dafür gegründeten FBN unterstellt, deren Leiter Anslinger bekanntlich wurde.17

Seit Anslingers Amtseintritt wurde die Pressekampagne gegen Cannabis noch schärfer geführt. Bis 1930 kamen die schon beschriebenen rassistischen Meldungen über angebliche Straftaten im Zusammenhang mit Cannabis meist nur in der lokalen Presse vor, doch seit Anslinger wurden übertriebene Geschichten landesweit verbreitet, welche sich in der Realität nicht nachvollziehen ließen. Ein hilfreicher Mann für Anslinger war William Randolph Hearst. Dieser Zeitungsmagnat und Papierhersteller benutzte seine Zeitungen und Zeitschiften, um die Horrorgeschichten über Cannabis zu verbreiten. Man könnte Hearst unterstellen, dass er den Kampf gegen Cannabis aus wirtschaftlichen Interessen führte. Denn 1937 patentierte die Chemiefirma DuPont ein chemisches Verfahren zur Papierherstellung aus Holz, welches bisher nur mechanisch möglich gewesen war. Somit konnte Papier kostengünstiger hergestellt werden und Waldbesitzer wie Hearst hatten große Profite zu verzeichnen.18 Eine weitere, nennenswerte Person war der damalige Finanzminister Andrew Mellon. Dieser Bankier und einer der reichsten Männer des Landes war Hauptfinanzier der Firma DuPont und im Ölgeschäft tätig. Ebenfalls 1937 patentierte die Firma die Nylonkunstfaser neben weiteren petrochemischen Errungenschaften. Auch hier könnte man unter Umständen wirtschaftliche Interessen hinsichtlich eines bevorstehenden Cannabisverbots unterstellen, da eine Monopolstellung im Kunstfaserbereich enorme Gewinne versprach. So war es doch ausgerechnet Mellon, welcher als Finanzminister dafür sorgte, dass Anslinger den höchsten Posten beim FBN bekam. Zusätzlich war Anslinger mit einer Nichte Mellons verheiratet.19

 

19 Vgl. Reznicek 2012, 38.

20 Vgl. Jacob 2009, 85.

21 Vgl. Buxton, 2006, 203ff.

 

Seit 1935 wurde im Finanzministerium an einem Gesetz zum Verbot von Cannabis gearbeitet. Ausgearbeitet wurde das Gesetz von Herman Oliphant, dem Chefberater des Finanzministers, welcher von DuPont überzeugt wurde, dass ihre synthetischen Produkte die sich auf dem Markt befindlichen Hanfprodukte ersetzen könnten. Aus Marijuana wurde nun offiziell Marihuana.20 Das 1937 eingereichte Gesetz war der Marihuana Tax Act. Inhalt dieses Gesetzes war die staatliche Kontrolle über Cannabis. So mussten sich alle Produzenten, Importeure und Großhändler für Hanf staatlich registrieren lassen. Alle Transaktionen hatten in einer gesetzlich vorgeschriebenen Norm zu erfolgen, somit wuchs die Bürokratie. Der eigentliche Niedergang für Hanf/Cannabis war die Steuer selbst. So hatten registrierte Händler eine Steuer von einem Dollar pro Unze (amerikanische Unze ~28g) und nicht registrierte Händler gar $100 pro Unze zu verrichten. Die Steuer überstieg den Marktwert des Produkts, weswegen Hanf wirtschaftlich unattraktiv wurde. Es wurde auch nicht zwischen der Droge (Blüten und Harz) und dem Industriegut unterschieden. Die Gesetzgebung untergrub auch jegliche Investitionen bezüglich der hanfbasierten Technologien. Die fehlende Unterscheidung zwischen Cannabis und Industriehanf wurde auf nationaler und internationaler Ebene beibehalten. Selbst nach der Entdeckung des Wirkstoffes THC im Jahre 1964 wurde daran nicht gerüttelt. Im Gegenteil hatten sich die internationalen Auflagen sogar noch verschärft, besonders nachdem Nixon 1968 den Drogen offiziell den Krieg erklärte mit seinem War on Drugs. Im Zusammenhang mit dem Marihuana Tax Act könnte man schon fast von einem Komplott gegen Cannabis sprechen. Cannabis stand einer petrochemischen Revolution im Wege, welche neuartige Kunstfasern, Kunststoffe, Öle und Medikamente auf den Markt brachte. Eine erneuerbare Rohstoffquelle, welche ohne Chemie auskam, weichte der milliardenschweren Chemieindustrie und all ihren nachteiligen Auswirkungen auf die Ökologie, als das Gesetz verabschiedet wurde. Das Gesetz wurde heimlich entworfen und von Oliphant direkt zur Abstimmung vor den Kongress gebracht, um die ansonsten zuständigen Prüfungsausschüsse zu umgehen. Die unvorbereiteten Abgeordneten sollten über das Gesetz abstimmen. Bisherige Berichte, welche sich offiziell mit Cannabis auseinandersetzten, fanden keine Berücksichtigung.21 Die Hauptzeugen auf seinen eines Cannabisverbots waren Anslinger und der Assistent von Oliphant, ein gewisser Clinton M. Hester. Diese beiden bedienten sich zweier Techniken, um die Abgebordneten zu überzeugen. Zum einen stützen sie sich auf unbestätigte Polizeiberichte über die angebliche Gefährlichkeit von Cannabis und die mit dem Konsum in Zusammenhang stehenden schweren Verbrechen. Zum anderen zitierten sie die landesweiten propagandistischen Zeitungsartikel über Marihuana als Tatsachenberichte. So soll die beschlagnahmte Cannabismenge in New York von 1935 bis 1937 um das 195-fache gestiegen sein. Auch gab Anslinger im Kongress zu Protokoll, er glaube, dass der Genuss einer Cannabiszigarette zum Mord führen konnte, vielleicht sogar zum Brudermord. Er gab den Abgeordneten zu verstehen, dass Marihuana die amerikanische Gesellschaft in den Abgrund reißen könnte, wenn man dieses Teufelskraut nicht unter staatliche Kontrolle stellen würde. Einer der wenigen Widersprecher dieses Gesetzes war Dr. William C. Woodward von der American Medical Association. Anslinger und das FBN werden auch für die übertriebenen Marihuana-Mythen in Verbindung

gebracht. So deutet vieles darauf hin, dass Anslinger und seine Agenten die Presse mit den Schauergeschichten versorgten.22

 

22 Vgl. Galliher & Walker 1977, 267ff.

23 Vgl. Buxton 2006, 51ff.

 

Nach der Verabschiedung des Gesetzes und Anslingers Sieg auf nationaler Ebene, sollte die US-Drogenpolitik nun ihren Weg über die Grenzen hinweg finden. Der 2. Weltkrieg brachte das Vorhaben vorerst zum stoppen. Man benötigte für den Krieg alle verfügbaren Ressourcen und so forderte das Verteidigungsministerium mit dem Slogan Hemp for Victory die Landwirte auf Hanf für die Marine anzubauen. Dies geschah auch, doch galten nach dem Krieg wieder die vorherigen Regeln. Mit dem Kriegsende und dem Sieg der Alliierten konnten die USA ihre Drogenagenda auf die internationale Bühne bringen. Mit dem Niedergang des Völkerbundes löste sich das Opium Advisory Committee auf, da es ihm unterstellt war. Das Permanent Central Opium Board und Drug Supervisory Board waren jedoch unabhängig vom Völkerbund, welche aber von seinen Mitgliedsstaaten finanziert wunden. Nach Aussetzen der Zahlungen wurden beide Organisationen aufgrund der Empfehlung von Herbert May und Anslinger von den USA finanziert, was zu einem Standortwechsel in die USA führte. Somit wurden die Organisationen direkt von den USA abhängig und mussten sogar in Kauf nehmen, dass bestimmte Ergebnisse ihrer Forschung als Verschlusssache behandelt wurden und nie an die Öffentlichkeit gelangten. Die harte Drogenlinie der USA fand auch hier Einzug. Während des Krieges schlug Anslinger vor einen Vorrat an Opium aus allen verfügbaren Quellen anzulegen, damit die Achsenmächte nicht mehr an diesen Rohstoff kamen. Nach dem Krieg waren 1945 über 50 Staaten an der Gründung der Vereinten Nationen in San Francisco beteiligt. Dies war eine hervorragende Gelegenheit die US-Drogenpolitik global auszuweiten. Mit Sitz in New York und den USA als Hauptgeldgeber war die UN für die Erfüllung dieses Ziels hervorragend geeignet. In einem 1946 unterzeichneten Protokoll wurden alle Drogenkontrollfunktionen des Völkerbunds an die UN übertragen.1961 wurde in New York die Single Convention mit 73 teilnehmenden Staaten abgehalten. Diese UN-Tagung hatte zum Ziel die unterschiedlichen internationalen Drogenabkommen in einem einzigen zu vereinen. Diese Initiative der USA basierte auf einer älteren Vorlage aus dem Jahre 1948 der Commission on Narcotic Drugs, wo May als amerikanischer Repräsentant tätig war. May war es auch, der sich während der Tagung für ein gemeinsames Abkommen der Staatengemeinschaft stark machte. Dieses Abkommen sollte die Drogenbekämpfung vereinfachen und die Kontrollorgane flexibel und stark gestalten. Doch sollten auch hier nicht nur die Drogen bekämpft werden (Konsum von Opium, Kokain und Cannabis wurde sofort unter Verbot gestellt), sondern auch ihre Wirkstoff enthaltenden Pflanzen wie Cannabis und Koka. Das Abkommen sah vor die gesamte Produktion unter staatliche Kontrolle zu stellen und diese unter Berücksichtigung eines festgelegten Zeitrahmens komplett einzudämmen. Es wurden auch neue Klassifizierungen für Drogen eingeführt. Sie reichten von I (hoch) bis IV (niedrig). Zu Stufe I zählten Heroin, Kokain, Cannabis und sonstige Drogen, welche aus Pflanzen gewonnen werden konnten. Stufe II und III waren Drogen, welche einen medizinischen Nutzen hatten. Somit wurde Cannabis ein medizinischer Nutzen komplett abgesprochen, wobei die WHO hilfreich zur Seite stand. Dieses Abkommen sah vor härtere Strafen für Drogendelikte in den einzelnen Staaten anzuordnen. Drogensucht wurde nun als große Gefahr für das Individuum und die gesamte Gesellschaft angesehen. Als Bestrafung für Drogenvergehen wurde eine Freiheitsstrafe empfohlen. Mit dem Abkommen wurde das International Narcotics Control Board, ein 13-köpfiges Kontrollgremium, gegründet. 1964 traten die Beschränkungen für Drogen nach US-Vorbild dann auf internationaler Ebene in Kraft. Die USA selbst unterzeichneten dieses Abkommen erst 1967 und setzten es 1970 in nationalen Gesetzen um. Weitere Drogenkonferenzen folgten, um neuartige Drogen wie Amphetamine und besonders LSD zu verbieten.24

 

24 Vgl. Buxton 2006, 56ff. und Lande 1962, 776ff.

25 Vgl. Abel 1980, 257f.

 

Erst in den 70er Jahren und besonders seit Nixons Rücktritt 1974 regte sich Widerstand gegen die strikte Drogenpolitik der USA, bei der schon Ersttäter mit Freiheitsstrafen bis zu 5 Jahren zu rechnen hatten. Als erster Staat entkriminalisierte Oregon 1973 das Cannabis und führte eine Ordnungsstrafe von $100 ein, statt die Konsumenten wegzusperren. Die Staaten Alaska, California, Colorado, Michigan, Nebraska, New York, North Carolina, Ohio und South Dakota folgten diesem Beispiel. Obwohl New Mexico, Louisiana, Florida und Illinois Cannabis nicht entkriminalisierten, wurde die medizinische Anwendung von Cannabis gesetzlich genehmigt.25

 

4 Heutige Situation und Alternativen

 

Bei näherem Betrachten der heutigen Konsumentenzahlen von Cannabis bemerkt man, dass sie besonders seit den 60er Jahren stark angestiegen sind und nicht wie durch die Regulierung erwartet zurückgegangen waren. Der höchste Pro-Kopf Konsum lässt sich in Kanada feststellen, gefolgt von Australien und den USA. Der höchste Konsum in Europa findet sich im Vereinten Königreich gefolgt von Deutschland. Die geringsten Konsumentenzahlen findet man in den Skandinavischen Ländern und in den Niederlanden. So gaben 44,5% der Kanadier im Jahre 2005 an schon mindestens einmal Cannabis konsumiert zu haben, während es in den Niederlanden lediglich 22,6% waren. Der Anteil an männlichen Konsumenten ist liegt in jedem untersuchten Land weit höher als derjenige der weiblichen Konsumenten.26 Die Preise pro Gramm variieren in den unterschiedlichen Staaten sehr stark. So ist Cannabis in Australien mit über $15,30 bei weitem am teuersten gefolgt von den USA mit $12,30. Im Vergleich dazu kostet ein Gramm in Großbritannien lediglich $3,40 (2005). Auch der THC-Gehalt stieg in den letzten Jahren rapide an. Dies ist durch neue Züchtungen weltweit möglich geworden. Lag der durchschnittliche Cannabisgehalt noch Mitte der 80er Jahre bei etwa 3%, so stieg er 20 Jahre später auf mindestens 9% an. Mittlerweile sind Cannabissorten im Umlauf, welche einen THC-Gehalt von 20% übersteigen. Zur Zeit des Verbots 1937 kann der THC-Gehalt nicht angegeben werden, da THC erst 1964 isoliert wurde, doch kann man kaum von einem Gehalt höher als 1% ausgehen.27

 

26 Vgl. Room et al. 2010, 47f.

27 Vgl. Ebd., 54ff.

28 Vgl. Ebd., 63f.

29 Vgl. Edb., 77ff.

 

In den meisten westlichen Ländern ist Cannabis für einen Großteil der Verhaftungen verantwortlich wie z.B. 75% in Australien. In Deutschland liegt der Anteil bei 60%, wovon die Hälfte rein Aufgrund von Cannabisbesitz und -konsum mit dem Gesetz in Kontakt kamen. In den meisten Ländern herrscht eine durchschnittliche Verhaftungsquote von 250 auf 100.000 Einwohner. Mit 600 Verhaftungen steht die Schweiz an der Spitze dieser Statistik. Die niedrigsten Verhaltungszahlen lassen sich in den Niederlanden mit nur 20 auf 100.000 Einwohner beobachten. Besonders auffällig ist, dass die Verhaltungszahlen bei 15-24 Jährigen bei weitem am höchsten sind. In den westlichen Ländern wurden verschiedene Maßnahmen getroffen, um die Cannabiskonsumenten vor zu harten Strafen zu schützen. Während viele Länder die Strafen lockerten und man als Erstkonsument meist nicht ins Gefängnis geschickt wurde, gingen einige Länder dazu über das Cannabis zu entkriminalisieren. Das heißt, dass man für den Besitz geringer Mengen für den Eigenkonsum keine Freiheitsstrafe zu befürchten hat, doch eine Geldstrafe und eventuelle zivile Folgen auf sich nehmen muss. Wenige Länder haben sich entschieden Cannabis unter staatlich kontrollierter Abgabe de facto zu legalisieren oder es de jure ohne jegliche Beschränkungen zuzulassen. Frankreich gehört zu den Ländern, welche die Strafen auf Cannabisdelikte gelockert hat. Zwar ist der Besitz von Cannabis gegen das Gesetz, doch hat man in den wenigsten Fällen mit einem Gerichtsverfahren zu rechnen. So kommen derzeitig nur etwa 10% aller Fälle von Drogenbesitz vor Gericht. Das liegt zum Teil daran, dass man sich ein Verfahren ersparen kann, indem man eine vorhandene Sucht zugesteht und sich in Therapie begibt. Bei geringeren Vergehen kann man eine freiwillige Geldstrafe entrichten oder Sozialstunden ableisten. Doch da diese Maßnahmen noch nicht lange in Kraft sind, ist es noch nicht abzusehen, inwieweit diese genutzt werden. In vier der acht Territorien Australiens sieht die Gesetzeslage ähnlich aus. Auch hier kann man bei kleineren Vergehen eine Therapie eingehen. Alternativ wird man zu Kursen über die Gefahren und Auswirkungen von Cannabis und Drogen im Allgemeinen verpflichtet. Interessant ist, dass nicht nur Cannabis, sondern auch Rauchzubehör wie Bongs und Pfeifen in Australien unter Strafe gestellt sind, welche als kleine Drogenvergehen geahndet werden. Wer Entzug oder Kurse nicht besteht oder nicht antritt, bekommt die volle Härte des Gesetzes zu spüren. Auch Wiederholungstäter werden spätestens beim vierten Mal zu schwereren Strafen verurteilt. In Kanada ist die Gesetzeslage etwas schärfer. So kann man bei einem Erstvergehen mit bis zu sechs Monaten Haft und einer Geldstrafe von $1.000 rechnen. Seit den 90er Jahren hat sich die Anzahl der Cannabisvergehen in Kanada verdoppelt und macht etwa die Hälfte aller Verhaftungen im Zusammenhang mit illegalen Substanzen aus. Cannabis ist in dem Land das Hauptziel der Drogenbekämpfung. Wie in Australien und Frankreich kann man Haftstrafen seit 1996 mit Entzug und anderen Programmen verhindern. Auch in Großbritannien wurden in den 90er Jahren die Stimmen gegen die harte Cannabispolitik laut. Im Jahre 2000 wurde Cannabis von einer Klasse B Droge zu einer Klasse C Droge heruntergestuft und unterlag somit nicht mehr den strengen Gesetzen bei Konsum und Besitz. Somit wurden Polizisten angehalten Konsumenten mit geringen Mengen zu verwarnen, statt diese zu verhaften. 2008 schließlich wurde Cannabis wieder als Klasse B Droge eingestuft und die Auswirkungen dessen bleiben abzuwarten. In den USA ist Cannabis durch vielschichtige Gesetze verboten. Wie schon erwähnt, lockerten einige Staaten in den 70er Jahren die Strafen und machten den Besitz von geringen Mengen Cannabis zur Ordnungswidrigkeit. Somit lockerte man die Strafen und das Verbot konnte beibehalten werden. Die Geldstrafen variieren von Staat zu Staat zwischen $100 und $1.000, während man in anderen Staaten der USA bei Erstvergehen oder wiederholtem Vergehen mit einer Freiheitsstrafe zu rechnen hat. Auch hier kann eine Haftstrafe unter Umständen in gemeinnützige Arbeit, Drogenaufklärungsmaßnahmen oder Entzug umgewandelt werden. Seit 2006 ist auch in Brasilien keine Freiheitsstrafe für Cannabisbesitz mehr zu befürchten. Zuvor hatte man eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zwei Jahren zu erwarten. Stattdessen sieht der Gesetzgeber Behandlungen, gemeinnützige Arbeit, Geldstrafen und den Entzug der Fahrerlaubnis vor. Gleichzeitig erhöhte man die Freiheitsstrafen für Schmuggler und Händler auf 8 bis 20 Jahre. Zwei Jahre später befand ein Gericht in Sao Paulo dieses Gesetz für verfassungswidrig und die Auswirkungen davon wird man in den nächsten Jahren verfolgen können.30

 

30 Vgl. Room et al. 2010, 82ff.

 

Im Folgenden werden Länder dargestellt, in welchen der Besitz von geringen Cannabismengen als Verstoß gegen das geltende Gesetze darstellt, jedoch diesen nicht als Straftatbestand ansehen, wodurch eine Freiheitsstrafe gänzlich ausgelassen wird. Andere Strafen bleiben zwar bestehen, doch muss man sich nicht mit dem Justizsystem auseinander setzen. Cannabis an sich bleibt jedoch auch hier illegal. In Belgien haben Cannabiskonsumenten bei einer Menge von bis zu 3g oder einer Cannabispflanze lediglich ein Bußgeld von €15-25 zu erwarten. Schon 1975 war Italien das erste Land, welches seine Strafen für Konsumenten aller Drogen lockerte. Dieses Gesetz wurde 1990 gekippt und 1993 wieder eingeführt. Derzeit ist Cannabiskonsum eine Ordnungswidrigkeit in Italien. Wird man zum ersten Mal mit Cannabis erwischt, so erhält man eine Verwarnung und muss versprechen dies nicht wieder zu tun. Bei wiederholtem Vergehen sind eine Ordnungsstrafe und der Entzug der Fahrerlaubnis zu erwarten. Die Tschechische Republik schaffte die Strafen für Drogenbesitz 1990 ab. Jedoch wurde dies 1999 wieder rückgängig gemacht. Seit 2003 werden Drogen nach ihrer Schädlichkeit klassifiziert. Cannabis wurde jedoch der Klasse psychoaktiver Drogen zugeordnet und seit 2008 gibt es Bestrebungen dies zu ändern. Doch ist in dieser Hinsicht noch keine rechtsgültige Entscheidung gefällt worden. Auch hier ist bei geringeren Mengen mit einer Ordnungsstrafe zu rechnen, bei größeren Mengen hat man jedoch bis zu fünf Jahren Haft zu befürchten. Portugal beschloss 2001 den Eigenbedarf zuzulassen. Eine Therapie kann nur noch angeordnet werden, wenn man dem Konsumenten eine Sucht nachweisen kann. Der Eigenbedarf ist in Portugal mit 25g angegeben. In Dänemark sind alle psychoaktiven Substanzen per Gesetz verboten und bei Nichtbeachtung drohen bis zu zwei Jahre Haft. Bei Cannabisbesitz ist jedoch eine Geldstrafe die Regel. So sind bei einer beschlagnahmten Menge von 50-100g lediglich etwa €135 an Strafe zu entrichten. Über Australien wurde schon gesprochen, doch haben vier der australischen Territorien (South, Capital, Northern und Western) weniger strenge Drogengesetze. Hier gelten zwar keine einheitlichen Gesetze, doch kann man von einer Geldstrafe von 50-200 australischen Dollars bei geringen Mengen (30-100g) ausgehen. Selbst der Eigenanbau von Cannabis ist gestattet, was zuletzt auf ein oder zwei Pflanzen beschränkt wurde. Da 2008 eine konservative Regierung gewählt wurde, könnten sich die Gesetze zu Ungunsten der Cannabiskonsumenten ändern.31

 

31 Vgl. Room et al. 2010, 87ff.

 

Manche Länder gingen sogar soweit den Cannabiskonsum gänzlich zu legalisieren oder gar eine staatliche Abgabe zu erwirken. In dieser Hinsicht ist die Niederlande ein Vorreiter in der weltweiten Diskussion und Gesetzgebung. Zwar ist auch hier der Besitz im Grunde illegal, doch werden die Gesetze nur vollzogen, wenn dies auch im Sinne der Öffentlichkeit geschieht. Somit wird Cannabiskonsum in einem gewissen Rahmen sogar toleriert und ist de facto legalisiert worden. In den Niederlanden kann man zu Hause oder in den eigens dafür eingerichteten Coffee Shops Cannabis konsumieren ohne jegliche Verfolgung seitens der Behörden fürchten zu müssen. In den Coffee Shops kann man verschiedene Cannabisprodukte zudem erwerben (bis 5g/Tag), deren Verkauf unter staatlicher Kontrolle steht. Konsum und Verkauf außerhalb dieser Rahmen wird mit Verwarnungen und Bußgeldern geahndet. Somit kann der Cannabishandel auch viel besser kontrolliert werden, als es mit einer Cannabisprohibition möglich ist. Durch die Abgabe im gesetzlichen Rahmen kommen die Konsumenten auch nicht mit anderen, härteren Drogen in Kontakt. Die Coffee Shops unterliegen strengen Auflagen und unterstehen den lokalen Behörden (Bürgermeister, Generalstaatsanwalt und Polizeichef). Somit haben diese Behörden zu entscheiden, ob ein solcher Laden in ihrem Zuständigkeitsbereich eröffnet werden darf. Die Regeln für diese Läden wurden mit den Jahren zunehmend verschärft. So darf man heutzutage als Tourist offiziell kein Cannabis mehr erwerben. Der Rechtsstatus der Coffee Shops ist ein sehr wackeliger, da Drogenhandel auch in den Niederlanden ein Verbrechen darstellt. Zudem passen sie nicht in die von der EU angestrebten Drogengesetze, weswegen der Druck von dieser Seite und den benachbarten Staaten sehr hoch ist. Außerdem werden die Niederlande von der UN und den USA zu strengeren Prohibitionsmaßnahmen aufgefordert, da sie die US-Bestrebungen untergraben, obwohl die Bevölkerung in diesem Land viel weniger Cannabis konsumiert, als in den bedrängenden Staaten. Wer hier auf dem Holzweg fährt scheint klar zu sein.

32 Vgl. Room et al. 2010, 92ff.

33 Vgl. Ebd., 95ff.

In Deutschland werden Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet. Doch seit einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts im Jahre 1994 ist der Cannabiskonsum de facto legal und kann nicht verfolgt werden. Jedoch bleibt der Besitz von Cannabis strafbar. Solange die festgestellte Menge eine gesetzlich festgelegte Menge (je nach Bundesland zwischen 3g und 30g) nicht überschreitet, hat man nicht mit einer Freiheitsstrafe zu rechnen. Eine Geldstrafe von mindestens 30 Tagessätzen im Rahmen eines Strafverfahrens hat man dennoch zu befürchten. Zusätzlich wird jedes Vergehen an die zuständige Führerscheinstelle gemeldet und ein Drogentest hat auf Anordnung zu erfolgen. Zudem bekommt man eine 5-jährige Sperrfrist, während welcher man z.B. keiner Arbeit mit Minderjährigen nachgehen darf. Ein Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis soll angeblich nicht erfolgen. Im Gegensatz zu anderen Ländern muss die Polizei jeden Zwischenfall mit Cannabis melden, sodass ein Polizist selbst bei geringen Mengen nicht entscheiden kann, ob er es nur bei einer Verwarnung belässt. Da die einzelnen Bundesländer für die Durchführung der Gesetze verantwortlich sind, sind diese nicht einheitlich geregelt und so kann es passieren, dass man für den Besitz einer geringen Menge in einem Bundesland angeklagt wird, während die Klage in einem anderen Bundesland vielleicht fallengelassen worden wäre. In Österreich sieht die Gesetzeslage bei Cannabis ähnlich aus wie die deutsche. Auch in Spanien sind Konsum und Besitz strafbar, doch werden der Besitz von geringen Mengen und der Konsum an privaten Orten nicht geahndet. Dies wurde von den Gerichten damit begründet, dass die Privatsphäre unter dem Schutz der Verfassung steht, solange kein Verdacht auf Drogenhandel besteht. Der Anbau von Cannabis für den Eigenbedarf ist in Spanien somit de jure erlaubt. Als einziger Staat der USA hat Alaska 1975 den Besitz geringer Mengen Cannabis und dessen Konsum in den eigenen vier Wänden für volljährige Bürger erlaubt. Seitdem wurde häufig versucht dieses Gesetz zu kippen, was bisher jedoch nicht gelang. 1994 hat der kolumbianische Gerichtshof entschieden, dass der Besitz von kleinen Mengen (20g) jeglicher psychoaktiver Substanzen per Gesetz legal sei. Dies wurde mit dem verfassungsmäßigen Recht auf Selbstbestimmung und Selbstentfaltung begründet. Doch musste dies innerhalb kurzer Zeit soweit verändert werden, dass dies nur noch im eigenen Heim möglich war. 2001 wurde in der Schweiz eine Initiative beschlossen, die den Konsum und Besitz von Cannabis legalisierte. Für einige Jahre konnte man Cannabis ähnlich wie in den Niederlanden in speziellen Geschäften jedoch nur unter der Ladentheke (Duftsäckli und Badezusatz) kaufen. Der Konsum in diesen war jedoch nicht erlaubt. Diese Initiative war einmalig für die westlichen Länder, jedoch fand sie nicht den notwendigen Zuspruch aus Bevölkerung (63% waren bei der Volksabstimmung dagegen) und Politik, sodass man 2008 wieder zu den alten Prohibitionsmaßnahmen zurückkehrte. Heute steht die Schweiz für die höchsten Verhaftungszahlen bei Cannabisdelikten, welche etwa 70% aller Drogendelikte ausmachen. Indien hat eine lange Cannabistradition, welches dort Bhang genannt wird. Es sind THC-haltige Getränke, welche in unter staatlicher Aufsicht stehenden Bhang Shops erworben werden können. Rauchbares Cannabis unterliegt auch in Indien einer Prohibition. Das wohl bemerkenswerteste Beispiel für eine Cannabispolitik kommt aus Teilen Spaniens. So haben sich Konsumenten in Katalonien und dem Baskenland zu nicht kommerziellen Vereinen zusammengeschlossen und begannen einen kollektiven Anbau von geringen Mengen Cannabis für den Eigenkonsum. Nur Vereinsmitglieder haben Zugang zu dem kultivierten Kraut. Zwar gibt es solche Vereine auch anderswo in Europa, doch nur in Spanien haben diese eine gesetzliche Legitimation. 2005 wurde einer dieser Vereine in Bilbao von der Polizei durchsucht und jegliches Cannabis konfisziert. 2006 entschied ein Gericht, dass es keine Verfahren gegen die Vereinsmitglieder oder den Betreiber des Gewächshauses gab. Somit musste die Polizei alle konfiszierten Güter im Jahre 2007 an den Verein zurückgeben.34

 

34 Vgl. Room et al. 2010, 97ff.

 

5 Fazit

Cannabis ist seit Jahrtausenden ein wichtiger Teil der Menschheitsgeschichte, da seine Samen eines der wertvollsten und reichhaltigsten Nahrungsmittel darstellen. Andere Nutzformen wurden im Laufe der Zeit entwickelt, was diese Pflanze zu einer der sinnvollsten auf diesem Planeten macht. Um dies zu bestätigen, braucht man nur einige Hanfsamen neben einer Vielzahl von anderen Samen und Körnern als Vogelfutter raus zu legen. Jeder Vogel wird sich zuerst die Hanfsamen aussuchen, bevor die Anderen angerührt werden. Und das obwohl die Pflanze in unseren Breiten fast ausgerottet wurde. Diese Pflanze kann weltweit ohne Zusätze von Pestiziden, Fungiziden, Herbiziden und weiteren Chemikalien kultiviert werden. Unser Körper und der fast aller anderen Lebewesen besitzt seit etwa 500 Millionen Jahren einen Nervenkreislauf, welcher durch Cannabinoide betrieben wird. Dies ist auch der Grund, warum das THC überhaupt eine Wirkung auf uns hat. Ähnlich ist es auch mit Substanzen wie Kokain, Opiaten, Amphetaminen und Psychodelika. Da diese Tatsache erst seit kurzer Zeit bekannt ist, kann man über den Grund dieser noch nicht einmal spekulieren. Klar ist nur, dass es eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Lebens darstellt. Cannabis wurde verboten, weil es eine angeblich gefährliche Droge darstellt. An dieser Tatsache kann man jedoch zweifeln, da neuerdings Hanfsorten gezüchtet wurden, welche kein THC produzieren, sodass man diese gefahrlos als Nutzpflanze anbauen könnte. Doch selbst der Anbau von THC-freien Sorten ist strikt untersagt. Man könnte dadurch behaupten, dass das Cannabisverbot eine Lobbyarbeit gewesen ist und bis heute bleibt. Denn Profiteure gab und gibt es genügend. So konnte die Pharmaindustrie, welche sich noch von einigen Jahrzehnten als Chemieindustrie bezeichnete und es im Grunde genommen auch immer noch ist, durch das Verbot von Cannabis neuartige Medikamente aus Erdöl produzieren, welche im Gegensatz zu Cannabis nicht in jedem Garten anzubauen sind. Durch das Opiumverbot sicherte sie sich ein Monopol im Bereich der Schmerzmittel, da jedes etwas stärkere Schmerzmittel aus Opiaten besteht. Weitere Profiteure waren die Holzhändler und die Papierindustrie. Papier aus Holz ist qualitativ minderwertig und benötigt einen hohen Zusatz an Chemikalien. Hanfpapier dagegen ist ein qualitativ hochwertiges Produkt, welches viele Jahrhunderte mit geringem Qualitätsverlust überdauert. Zudem benötigt es nur einen Bruchteil der Chemikalien, welche bei der Holzpapierherstellung anfallen. Die Folgen für die Umwelt kann jeder leicht nachvollziehen, da aus einem Hektar ökologisch angebauten Hanfs die gleiche Papiermenge hergestellt werden kann wie aus 4,1 Hektar Wald. Hauptgewinner der Prohibition ist wohl zweifelsohne die Ölindustrie. Hier entstand eine große Produktpalette, welche auch aus Hanf hätte hergestellt werden können. So war es doch Mellon, der durch seine Investitionen die Firma DuPont zu einer der größten Firmen weltweit machte und durch seine Hilfe auch in der Lage war, General Motors zu übernehmen. Anslinger scheint ein gutes Instrument für Mellon gewesen zu sein, um den Hanf zu verbieten und somit eine Monopolstellung im Bereich der Kunstfasern und Kunststoffe für DuPont zu erlangen. Ein weiterer Grund für das Verbot war der Rassismus. Dadurch hatte man einen Vorwand die im Land lebenden Minderheiten zu durchsuchen und zu belästigen. Wurde Cannabisbesitz festgestellt, so konnte man diese unerwünschten Menschen für lange Zeit aus der Gesellschaft ausschließen. Ohne eine breite und hemmungslose Propagandakampagne wäre ein Verbot kaum denkbar gewesen. Hier wurde gelogen, dass sich die Balken biegen und diese Lügen wurden als Tatsachen hingestellt, um die Angst in der Bevölkerung zu schüren, damit sich diese nicht gegen ein Verbot stellte. Da diese Propaganda so erfolgreich war, bediente man sich ihrer drei Jahrzehnte später, um LSD zu verbieten. Die Geschichten wurden fast komplett übernommen, mit der Ausnahme, dass nun statt Marihuana einfach LSD in die Artikel eingefügt wurde. Diese Mythen und Märchen geistern auch heute noch in unaufgeklärten und kleingeistigen Köpfen herum und werden als erstes zum Besten gegeben, sobald sich eine Diskussion um Drogen anbahnt. Aufgrund dieser schamlosen Lügen, welche nichts mit Wissenschaftlichkeit zu tun hatten, wurden Millionen von Menschen bedrängt, aus der Gesellschaft ausgeschlossen und landeten in vielen Fällen für viele Jahre in Gefängnissen. Mit dem Verbot wurde auch die Wissenschaft in Bezug auf Cannabis bewusst unterdrückt, weswegen das THC erst 1964 in der Pflanze festgestellt werden konnte.

Die Politik möchte uns angeblich vor dem Cannabis und seinen Auswirkungen schützen. Doch aufgrund neuer Erkenntnisse kann man davon ausgehen, dass Cannabis lange nicht so gefährlich ist, wie es immer behauptet wurde. Natürlich ist der Missbrauch von jeglicher Substanz schädlich. Rein nach dem Motto: Die Menge macht das Gift. Doch beim Cannabis spricht der Gesetzgeber dem Volk ein Recht auf Rausch und eine freie Persönlichkeitsentwicklung ab. Stattdessen genehmigt man den gesellschaftlich akzeptierten Alkohol mit all seinen direkten und besonders indirekten Folgen und verdient auch noch kräftig dabei. Ethanol wirkt nicht wie andere Drogen, weil es eigentlich nur ein Lösungsmittel ist, welches nicht in den Organismus gehört. Der Alkoholrausch ist somit nur der verzweifelte Kampf des Körpers gegen eine Substanz, welche da nicht hinein gehört und deren Zerfallsprodukte Methanol und Formaldehyd können nicht vom Körper verarbeitet werden. Anders sieht es beim Tabak aus. Der Wirkstoff Nikotin ist eines der stärksten bekannten Nervengifte. Doch solange man horrende Steuern dafür verlangen kann und das Volk es dennoch kauft, wird eine Prohibition weitgehend ausgeschlossen. Unter diesen Gesichtspunkten sollte sich die Politik überlegen, ob eine Prohibition von Cannabis in unserer fortgeschrittenen und aufgeklärten Zeit überhaupt noch Sinn macht, oder ob es sinnvoller wäre diese aufzuheben und die Menschen selbst entscheiden zu lassen. Es warten Milliarden an Steuergeldern, welche damit eingenommen werden könnten, um so wenigstens die aufkommende Altersarmut im Land abfangen zu können. Doch Millionen von mündigen Bürgern, welche sich durch Cannabiskonsum und einem veränderten Bewusstsein Zeit zum Nachdenken nehmen würden, scheinen eine viel zu große Bedrohung für die Obrigkeit darzustellen. Argumentiert wird immer, dass durch eine Legalisierung doch jeder kiffen würde und besonders die Jugend in Gefahr wäre. Das niederländische Modell zeigt jedoch, dass der Cannabiskonsum deutlich geringer ist als in Deutschland und vielen anderen Staaten, besonders unter den Jugendlichen. Bisher hat ein Verbot jeder Droge gezeigt, dass die Konsumentenzahlen vor allem bei Minderjährigen erst nach dem Verbot rapide ansteigen. So hatte die USA in den 30er Jahren so gut wie keine Drogenkonsumenten, wenn man es mit dem heutigen Anteil vergleicht.

So wäre eine Legalisierung eine sinnvolle Überlegung. Besonders in einer Zeit in der viel über Ökologie und Nachhaltigkeit diskutiert wird. Denn keine Pflanze ist nachhaltiger und kommt mit weniger Chemikalien aus als Hanf. Mit dem derzeitigen Stand der Technologie wären Hanfanbau und -ernte äußerst günstig und die ohnehin schon breite Produktpalette könnte noch viel weiter ausgebaut werden. Diese Pflanze ist so beeindruckend, dass es eigentlich ein Verbrechen ist sie zu verbieten und der Menschheit vorzuenthalten.

 

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